Riesenmammutbäume stammen von den Westhängen der Sierra Nevada in Kalifornien. 1853 kamen die ersten Samen nach Europa.
1864 ließ König Wilhelm I. von Württemberg ein Pfund Mammutbaumsamen aus Amerika kommen, rund 500 Gramm. Daraus wuchsen mehrere tausend Setzlinge, die in Württemberg verteilt und ausgepflanzt wurden. Viele dieser Bäume stehen heute noch, in Schlossparks, Kurparks und botanischen Gärten.
Diese Zahl, 500 Gramm, ist der Ursprung meines Ziels: 500 Mammutbaum-Sichtungen in Deutschland. Ich suche sie seit Frühjahr 2024. Am meisten geht es mir um die Ausflüge selbst: mit wem ich unterwegs bin und was wir erleben.
15von 500 Sichtungen
Jede Sichtung ist ein Ort, an dem ich tatsächlich war. Kein Bild aus dem Internet, kein Eintrag vom Hörensagen.
015
Freiburg im Breisgau
Baden-Württemberg, Juni 2026
Freiburg war für mich ein Zwischenstopp auf dem Weg nach Frankreich. Von dort ging es weiter zu einer Wanderung mit lieben Menschen, als Vorbereitung auf den Jakobsweg.
Für mein Mammutbaum-Projekt war der Aufenthalt besonders spannend. Allein auf öffentlichen Flächen sind in Freiburg 202 Mammutbäume erfasst. Auf privaten Grundstücken stehen nach Schätzungen weitere 50 bis 100 ältere Exemplare. Im Stadtgebiet dürften es damit etwa 250 bis 300 Mammutbäume sein.
Die Geschichte reicht weit zurück. Um 1890 belieferte die Freiburger Gärtnerei Martin Zimber Villengrundstücke mit Mammutbäumen, unter anderem in Herdern und Günterstal. Ende der 1970er Jahre folgte eine zweite große Pflanzungswelle: Das städtische Gartenamt zog selbst Mammutbäume an und verteilte sie über die ganze Stadt. Später kamen auf dem Gelände des heutigen Seeparks weitere hinzu.
Mir sind an mehreren Stellen der Stadt Mammutbäume begegnet. Die Fotos stammen deshalb aus mehreren einzelnen Sichtungen innerhalb Freiburgs.
Mammutbäume in Freiburg selbst entdecken: Das Baumkataster der Stadt Freiburg stellt die Standorte der städtischen Bäume als offene Daten bereit. In FreiGIS, dem Kartenportal der Stadt, liegen die Bäume als eigene Kartenebene unter „Natur und Umwelt“.
014
Arboretum Burgholz, Wuppertal
Nordrhein-Westfalen, Mai 2026
Das Arboretum liegt im 540 Hektar großen Naturschutzgebiet Burgholz bei Cronenberg. Es wurde ab 1958 angelegt und ist das größte Anbaugebiet fremdländischer Baumarten in Deutschland. Der Mammutbaum-Bestand steht am rund 1,5 Kilometer langen Wanderweg 1, der Bäume der Welt heißt und mit einem Mammutbaum-Symbol markiert ist. Die vier Wege sind nach Kontinenten und Baumthemen gegliedert, deshalb wechselt der Bestand unterwegs mehrfach.
013
Bonn, Rheinaue
Nordrhein-Westfalen, März 2026
Ein junger Baum, noch nicht ausgewachsen, mit Platz, um einmal ein Riese zu werden.
012
Haan, Stadtmitte
Nordrhein-Westfalen, Februar 2026, Weiberfastnacht
An diesem Baum laufe ich oft vorbei, auf dem Weg zum Sport. An Weiberfastnacht ist er mir im Regen aufgefallen: Efeu am Stamm, Äste in alle Richtungen, die Krone ein Durcheinander aus Jahrzehnten. Mitten in der Stadt, mitten im Alltag. Manchmal muss man nass werden, um zu sehen.
011
Schloss Drachenburg, Königswinter
Nordrhein-Westfalen, Januar 2026
Gepflanzt Ende des 19. Jahrhunderts, als das Schloss gebaut wurde. Das Schloss ist heute Museum, der Baum wächst weiter. Im Bild stehe ich daneben und merke, wie klein ich bin.
010
Ludwigsburg, Baumschule
Baden-Württemberg, Oktober 2025
Vier Stämme auf offenem Gelände einer Baumschule, im Hintergrund Industrie. Sie geben Schatten und Ruhe zwischen Bäumen, die noch auf Käufer warten.
009
Tiergarten, Berlin
Berlin, Oktober 2025
Zwei Urweltmammutbäume, Metasequoia glyptostroboides. Anders als der Riesenmammutbaum verlieren sie im Winter ihre Nadeln. Nicht jeder Mammutbaum sieht so aus, wie man ihn erwartet.
008
Schloss Benrath, Düsseldorf
Nordrhein-Westfalen, August 2025
Der Baum trägt eine sichtbare Narbe nach einem Blitzeinschlag und wächst trotzdem weiter. Mit dieser Sichtung verbinde ich eine Freundschaft und einen gemeinsamen Tag in Benrath.
007
Stuttgart, Stadtmitte
Baden-Württemberg, Juli 2025
Zwischen Apotheke, Bürogebäude und trockener Stadtwiese. Er kennt beides, Beton und Natur, und braucht keins von beiden, um zu stehen.
006
Bochum, Geologischer Garten
Nordrhein-Westfalen, Juni 2025
Zwei Bäume zwischen Gesteinsformationen und Schulklassen. Niemand schaut hin. Sie stehen trotzdem.
005
Botanischer Garten Bonn
Nordrhein-Westfalen, Mai 2025
Der Stamm ist so breit, dass man daneben klein wirkt. Abgesperrt mit Seilen, umgeben von Pflanzen aus aller Welt.
004
Werl, Kurpark
Nordrhein-Westfalen, April 2025
Werl liegt in der Gegend, in der ich aufgewachsen bin. Dass hier ein Mammutbaum steht, wusste ich vorher nicht. Er überragt alles um sich herum, und niemand schaut hin.
003
Stuttgart, Rosensteinpark
Baden-Württemberg, März 2025
Mehrere Stämme im Abendlicht. Bei einem haben wir ausprobiert, wie viele Menschen es braucht, um ihn zu umarmen: vier. Ich war nicht allein.
002
Ludwigsburg, Favoritepark
Baden-Württemberg, März 2024
Seit über hundert Jahren am Favoritepark, gepflanzt von jemandem, der nicht für sich selbst pflanzte.
001
Schwäbische Alb
Baden-Württemberg, Frühjahr 2024
Ich war zur Vorbereitung auf den Jakobsweg unterwegs, den ich mit meinem Cousin gehen will. Die Bäume waren nicht das Ziel des Ausflugs. Hier hat das Projekt angefangen.
Kennst du einen Mammutbaum, der hier noch fehlt? Schreib mir, ein Satz reicht.