Ein kleiner junger Baum — mit Platz um ein Gigant zu werden.
500 Mammutbäume
in Deutschland
Mammutbäume kommen ursprünglich von den Westhängen der Sierra Nevada in Kalifornien. Vor der letzten Eiszeit waren ihre Vorfahren in Europa heimisch — einige Braunkohlevorkommen in Deutschland sind Überreste von Sequoienwäldern.
1853 kamen die ersten Samen nach Europa. Es war eine Sensation. Wer damals einen Mammutbaum pflanzte, wusste: er selbst würde den ausgewachsenen Baum nie sehen. Er pflanzte trotzdem. Diese Bäume stehen heute in Schlossparks, Kurparks und Botanischen Gärten — gepflanzt von Menschen, die in anderen Zeiträumen dachten als wir es gewohnt sind.
Die Samen kamen zurück. Die Bäume waren schon einmal hier — vor Jahrtausenden. 1853 fanden sie ihren Weg zurück nach Deutschland, fassten Wurzeln, wuchsen. So ähnlich wie ich: Vorfahren aus Deutschland, geboren in Kasachstan, zurück nach Deutschland gekommen.
Jede Sichtung ist ein Ort, an dem ich tatsächlich war. Kein Bild aus dem Internet, kein Eintrag vom Hörensagen.
Wo ich war
Zig mal vorbeigelaufen auf dem Weg zum Sport. Dann an Weiberfastnacht, im Regen, plötzlich gesehen. Die Äste gehen in alle Richtungen, Efeu am Stamm, die Krone ein Chaos aus Jahrzehnten. Mitten in der Stadt, mitten im Alltag. Manchmal muss man nass werden um zu sehen.
Im Schlossgarten — gepflanzt Ende des 19. Jahrhunderts als das Schloss gebaut wurde. Das Schloss ist heute Museum. Der Baum wächst noch. Im Bild stehe ich daneben und merke, wie klein ich bin.
Vier Stämme auf einem offenen Feld, mitten in einer Baumschule. Im Hintergrund Industrie. Sie geben Schatten und Ruhe — inmitten von Bäumen, die noch auf Käufer warten.
Zwei Urweltmammutbäume — Metasequoia glyptostroboides, nicht Sequoiadendron giganteum. Laubabwerfend, schlanker, eine andere Art derselben Familie. Nicht jeder Mammutbaum sieht so aus, wie man ihn erwartet.
Vom Blitz getroffen. Die Narbe ist sichtbar, die Krone trägt sie offen. Er wächst trotzdem weiter. Dieser Baum steht als Zeichen für eine Freundschaft, die lang wird.
Mitten in der Stadt. Hinter ihm eine Apotheke, daneben ein Bürogebäude, das trockene Stadtgras davor. Er kennt beides — Beton und Natur — und braucht keins von beiden um zu stehen.
Zwei. Zwischen Gesteinsformationen und Schulklassen. Niemand schaut hin. Sie stehen trotzdem.
Groß. Erstaunlich. Der Stamm ist so breit, dass man daneben verschwindet. Abgesperrt mit Seilen, umringt von Pflanzenvielfalt.
Im Herzen Westfalens, da wo ich aufgewachsen bin. Klassische Kegelform, blauer Himmel. Er überragt alles um ihn herum — und niemand schaut hin.
Mehrere Stämme im warmen Abendlicht. Es waren vier Menschen nötig, um einen davon zu umarmen. Ich war nicht allein.
Einer. Wie ein stiller Wächter am Schloss — seit über hundert Jahren gepflanzt von jemandem, der nicht für sich selbst pflanzte.
Die ersten. Ich war unterwegs zur Vorbereitung auf den Jakobsweg, den ich eines Tages mit meinem Cousin gehen werde. Und dann standen sie da. Groß. Still. Wach. Keine Inszenierung — aber irgendetwas hat dieser Moment in mir bewegt.
Diese Bäume stehen hier weil jemand vor 200 Jahren nicht für sich selbst pflanzte.
Mammutbäume faszinieren mich. Alles was über sie gesagt wird — ihre Ausdauer, ihr Wachstum über Generationen, ihre Überlebensfähigkeit, ihr ruhiges gigantisches Wesen, die Tatsache dass jemand sie gepflanzt hat ohne zu wissen was daraus wird, spiegelt meine Lebensweise wider.
Die 500 kamen aus einer Tafel. Vor 200 Jahren wurden 500 Gramm Samen nach Baden-Württemberg gebracht. Ich habe das gelesen, meine Gedanken spielen lassen und die Entscheidung getroffen, ein Projekt daraus zu machen, das vieles verbinden soll: 500 Mammutbaum-Sichtungen in Deutschland, mit Menschen, mit Erfahrungen und mit gemeinsamer Reise und Zeit.
Und vielleicht bleibt bei den Menschen, die dabei waren, ein Gedanke, eine Erkenntnis oder eine Idee — die weitergetragen wird.
Einen Mammutbaum,
der noch nicht auf dieser Liste steht?
Schreiben Sie mir. Ein Satz reicht — ich freue mich über jeden Hinweis.
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